Bevor das neue Kochbuch "Paris - Tokyo: Weitergabe einer kulinarischen DNA" von Christian Bau erscheint, veröffentlichte er gemeinsam mit seiner Ehefrau und Sous-Chefin Sarah "Einfach Bau". Ein Kochbuch mit dem Anspruch Sterneküche (und zwar 3 Michelinsterne) für zu Hause möglich zu machen.
In den letzten Jahren habe ich einige Kochbücher von hochdekorierten Köchen rezensiert. Und ich bin da entspannt rangegangen. Ich weiß, dass nicht nur das Know-How dieser Profis meinem Wissen weit überlegen ist, sie haben auch deutlich mehr Routine als ich. Es macht einfach einen Unterschied, ob man etwas "mal macht" oder ob man es jeden Tag beruflich macht.
So war mir immer klar, dass diese Rezepte "Restaurant-Rezepte" sind und die Mengen zu groß sind, manche Zutaten kaum zu beschaffen oder nur in viel zu großen Mengen zu beschaffen sind. Also habe ich das Rezept so verändert, wie es daheim sinnvoll ist. Gefreut hat mich immer, den Kochbuch-Autor irgendwann einmal zu treffen und meine Version erklären zu können. Die Reaktionen waren immer sehr positiv. Gerne erinnere ich mich an das Gespräch mit Wahabi Nouri, als ich ihm "gestanden" habe, dass ich statt der Ei-Sphäre ein Wachtel-Spiegelei gemacht habe. Da hat er mich angeschaut, gelacht und gesagt: "Daheim? Da hätte ich auch ein Wachtel-Spiegelei gemacht."
Was sind jetzt meine Erwartungen an ein Kochbuch, das unter dem Motto steht: "Sterneküche daheim nachkochbar"? Dazu habe ich mir, aufgrund meiner Erfahrungen, Gedanken gemacht. Mir ist es wichtig, dass die Mengen vernünftig ist und ich nicht nach dem Servieren einer 4-er Portion noch 500 ml Schnittlauchöl übrig habe. Mir ist es wichtig, dass ich die Zutaten gut und in haushaltsüblichen Mengen bekommen kann und ich lebe in München, wo ich eigentlich alles bekomme. Mir ist es wichtig, dass ich das Rezept so kochen kann, wie es gedruckt ist und ich nicht Veränderungen vornehmen muss, damit überhaupt ein vernünftiges Ergebnis auf dem Teller liegt.
Dann habe ich das Buch analysiert und mir die ersten Rezepte zum Nachkochen herausgesucht. Und ich habe angefangen zu kochen. Es gab gebeizten Sternanis-Lachs mit Zuckerschoten und Soja-Vinaigrette und Currysuppe mit Huhn-Lauch-Spießchen und Nashibirnen. Ich war enttäuscht. Die Mengen der Zutaten haben nicht funktioniert und die Beschreibung der Rezepte auch nicht. Damit es für mich geschmacklich gepasst hat, musste ich ganz schön "basteln".
Rund um mich herum gab es nur begeisterte Kommentare und glühende Berichte. Ich habe mich gefragt, ob einer der Autoren auch nur ein Rezept gekocht hat. Einen Beleg dafür konnte ich nicht finden. Ich bin nochmal in mich gegangen und habe, zum ersten Mal, eine zweite Kochrunde gestartet. Vielleicht hatte ich ja Pech bei der Rezeptauswahl. Diesmal gab es Miso-Auberginen mit Erdnüssen und Venusmuscheln mit Sake und Koriander. Ja, es war etwas besser, aber es war nicht gut.
Mich hat das Buch enttäuscht. Wenn es wieder so ein Projekt geben sollte, würde es mich freuen, wenn man sich wirklich einmal in die Welt der Hobbyköche daheim einfühlt. Dann kann etwas wirklich tolles entstehen. Das beste Beispiel dafür ist für mich Katharina Seiser, die zusammen mit den Spitzenköchen Meinrad Neunkirchner, Richard Rauch und Lukas Nagl das perfekt umgesetzt hat.
Miso-Auberginen mit Erdnüssen
Venusmuscheln mit Sake und Koriander
